New Radicals You get what you give

Meine Meinung zu "Maybe you've been brainwashed too"

Man muss sich die CD schon ein paar Mal anhören, um zu begreifen, wie gut Gregg Alexander's Lieder sind.

Beginnen mir mit "Mother we just can't get enough". Dieser Song beeindruckt vor allem durch den ständigen Wechsel zwischen schnell und langsam. So meint man bei Position 4:10, das Lied sei schon zu Ende. Der eingängige Refrain und nicht zuletzt auch die viel zitierte Textstelle mit Marilyn Manson sorgen dafür, dass man auch von "You get what you give" einfach mitgerissen wird.

Sehr unkonventionell ist auch "I hope I didn't just give away the ending", nicht nur wegen dem langen Titel. So lallt Gregg die ersten zwei Minuten einen Text, der nicht im Booklet steht. Erst bei 1:55 geht's richtig los.

Bei "I don't wanna die anymore" wendet Gregg Alexander wieder eine etwas abgeschwächte Version seines laut und leise-Tricks an: Die ersten Zeilen singt er sehr leise und wechselt dann zu einem etwas lauteren und sehr eindringlichen Refrain.

Auch "Jehovah made this whole joint for you" ist einfach gut: Ein schnelles Lied mit von Gregg sehr abwechslungsreich gesungen Textpassagen. "Someday we'll know" ist für New Radicals-Verhältnisse eher (be)ruhig(end). "Eines Tages werden wir wissen, warum der Himmel blau ist und warum Samson Delilah liebt." sagt uns Gregg Alexander. Und das der Text gut ist, beweist alleine schon die Tatsache, dass SWR3 den Text ins Deutsche übersetzt hat. Die Musik passt sehr schön zum Text.

"Maybe you've been brainwashed too" ist eines der unkonventionellsten, um nicht zu sagen komischsten Lieder, die ich je gehört habe. Im Booklet ist der Text im Hochformat in der Heftmitte über zwei Seiten gedruckt und jede zweite Zeile besteht aus dem Titel des Songs. Und das Beste ist: Gregg Alexander singt einen ganz anderen Text, und keiner weis welchen. Orientiert man sich am abgedruckten Text, so lässt sich Gregg in diesem Lied über alles mögliche - vorzugsweise über Gesellschaft, Politik und Wirtschaft - aus. Hier ein kleines Best of: "Multi national owned evening news" - "If we believe we're fools" - "And politics, a fuckin joke" - "Right and left - they're both a hoax". Nicht zu vergessen auch der Schluss, in dem er über die Musikindustrie wettert: "So cynical, so hip, so full of shit, they told us to shut the fuck up and write another hit". Das Traurige ist, dass man Gregg bei fast allen Aussagen Recht geben muss.

Track 8 ("In need of a miracle") ist das einzige Lied auf dem Album, das mir nicht ganz so gut gefällt (aber immer noch mindestens eine 3+ bekommt!). Es wirkt melancholisch, was nicht so recht zu den anderen Liedern auf der CD passt. "Gotta stay high" ist dagegen wieder ganz anders. Die Band zelebriert hier ein tolles gute-Laune-aber-doch-irgendwie-Liebeslied mit ansprechendem Refrain und einer einfach schönen Musik.

Bei "Technicolor lover" handelt es sich um einen eher ruhigen Song mit guten Drum-Effekten. Was meint der Songwriter wohl mit dem "If you touch my big ___"? Auch wenn es mittlerweile unglaubwürdig klingt: "Flowers" verbreitet schon wieder gute Laune mit einem sehr guten Refrain einem qualitativ mindestens gleichwertigen Text und ist eine einzige Liebeserklärung.

Sehr schön ist auch der schnell und laut gesungene Part mit "I love you - you hate me".

"Crying like a church on monday" ist eigentlich das langsamste Lied auf dem Album - aber nicht weniger gut als die anderen Lieder. Beeindruckend ist der Refrain mit dem langgezogenen "crying".

Alle Lieder haben ähnliche Elemente sind aber irgend wie trotzdem jeweils vollkommen anders. Das Gregg Alexander die Band auflöste, nachdem zusammen zwölf tolle Lieder spielte, ist mehr als schade. So wird es in absehbarer Zeit wohl kaum noch eine solch geballte Ladung von ihm geschriebener Songs geben. Fans müssen sich wohl selbst eine CD mit den entsprechenden Liedern von Texas, Ronan Keating usw. zusammenstellen.

Meine Meinung zu "Ultimate High"

Böse!

Damit meine ich weder die Interpretin der CD noch das Medium selbst, sondern vielmehr die Marketingstrategie von MCA Records/Universal hier in Deutschland. Denn wer hat schon von der Veröffentlichung dieser CD erfahren? Ich jedenfalls nur durch Zufall.

Für das Songwriting von 11 der insgesamt 12 Songs zeichnet sich im Wesentlichen ein wahres Dreamteam verantwortlich: Gregg Alexander und Danielle Brisebois. Die beiden haben schon bei ihren Solo-Alben und nicht zuletzt auch bei den New Radicals zusammengearbeitet. Positiv ist auch, dass Carly Hennessy die Songs zumindest mitgeschrieben hat.

Carly hat bereits mit ihren 17 Jahren eine ausdrucksstarke und überzeugende Stimme. Man merkt, dass ihr die Zusammenarbeit mit GA und DB großen Spaß gemacht hat.

Die Songs reichen von einem treibenden "Beautiful you" über ein ruhigeres "Rip in heaven" bis hin zu einer sehr guten Coverversion Sheryl Crow's "All kinds of people". "Just miss the train" wurde übrigens schon 1994 auf Danielle Brisebois' erstem Soloalbum "Arrive all over you" veröffentlicht.

Ich kann diese CD allen New Radicals- und Danielle Brisebois-Fans und eigentlich auch allen, denen solider amerikanischer Pop-Rock gefällt, empfehlen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Interpretin und Songwriter vom geringen Erfolg (den ich auf die schlechte bzw. schlichtweg fehlende Promotion zurückführe) nicht entmutigen lassen.

Weitere Reviews:

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Kurze Kritik zu "Maybe you've been brainwashed too" auf Amazon.com

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Musikexpress schrieb am 11/02 zu "The game of love" von Santana und Michelle Branch: [...] Die Single 'The Game Of love', auf der Michelle Branch zirpelt, enttäuscht dagegen als zuckersüßer Rumba-Popaufguss [...] (Auszug aus der Kritik zum Album "Shaman" von Santana)

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SWR3 zu "Reason" von Melanie C: [...]und schließlich und endlich gibt's natürlich auch eine klassische Gregg Alexander-Nummer auf dem Album, "On The Horizon" nämlich; die klingt wie alle anderen Gregg Alexander-Nummern auch, was ich persönlich mittlerweile etwas ermüdend finde. [...]

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